Grau, grauer, Juist - oder wie an einem Tag so ziemlich alles schief gehen kann




Vor einiger Zeit habe ich den Plan gefasst, alle ostfriesischen Inseln mindestens einmal besucht zu haben. Borkum, Baltrum, Norderney und Langeoog kannte ich schon, Juist, Spiekeroog und Wangerooge fehlten noch. Einige der Inseln sind tideabhängig. Das bedeutet, dass man nicht jeden Tag morgens mit der Fähre hin und abends zurückfahren kann, sondern die Schiffe nur abhängig von Ebbe und Flut verkehren können. Juist ist tideabhängig und so gibt es meist nur ein, zwei Tage im Monat, die sich für einen Tagesausflug eignen. Einer dieser wenigen Tagen war Anfang August. Das Wetter war zunächst super, dann später bedeckt gemeldet, aber trocken sollte es bleiben. Klang eigentlich ganz gut, also ab ins Auto und auf nach Norddeich zum Hafen.

Die erste Ernüchterung kam am Ticketschalter für die Fähren. Ich kam gut 20 Minuten vor Abfahrt der Fähre am Hafen an und sah eine Schlange vor mir, die sich über das ganze Gelände wand. Scheinbar hatten auch noch viele andere die Idee, den Tag auf Juist zu verbringen, obwohl es am Festland sehr, sehr grau aussah. Am Schalter hatte man nicht mit solch einem Ansturm gerechnet, sodass viele kein Ticket mehr erhielten, als die Fähre schon ablegte. Lange Gesichter bei allen. Dann aber kam die Nachricht, dass noch ein zweites Schiff fahren würde. Erleichtertes Aufatmen und weiter fleißiges Ticket kaufen war die Folge.

Ohne Titel
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Mit der zweiten Fähre kam dann auch ich auf Juist an. Der erste Eindruck war ganz nett, auch wenn das Wetter weiterhin grau, grau, grau war, aber immerhin war es trocken. Erstmal auf zum Strand, dachte ich mir, und maschierte fix einmal über die Insel. Juist ist sehr, sehr lang, aber dabei auch sehr, sehr schmal. Innerhalb von 10 Minuten hatte ich es einmal über die Insel geschafft und sah auf das Meer hinaus. Schööön. Dann fing es leicht zu regnen an. Egal, Kapuze auf und ein, zwei Fotos machen.

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Wenn ich auf den Inseln bin, möchte ich gern auch so viel wie möglich von ihnen sehen und dafür leihe ich mir in der Regel ein Rad. Auch auf Juist gibt es Fahrradverleihe. Voller Motivation zog ich los zum nächsten Fahrradverleih, um dann blöd aus der Wäsche zu schauen. Alle Fahrräder verliehen. Naja, kann ja mal passieren. Auf zum nächsten Verleih. Dort war es aber dasselbe Spiel. Alle Fahrräder weg. So ging es weiter bis ich sechs Fahrradverleihe abgeklappert hatte und meine Laune ihren Tiefpunkt erreicht hatte.

Gut, dann eben kein Fahrrad. Es galt stattdessen die Insel zu Fuß zu erkunden. Wie oben erwähnt, ist Juist allerdings wirklich lang und der Fußmarsch beschränkte sich dann auch eher auf den Strand. Besonders leid tat es mir um den See, den es auf Juist gibt. Den hätte ich mir wirklich gern angeschaut, aber zu Fuß wäre ich einfach ewig unterwegs gewesen. Aber egal. Tief durchatmen, die frische Nordseeluft riechen, Chucks ausziehen und barfuß am Strand rumlaufen. Wäre natürlich bei schönem Wetter netter gewesen, aber immerhin hatte es wieder aufgehört zu regnen und so widmete ich mich voll und ganz meiner Kamera und fotografierte alles, was mir unter die Linse kam.



Nach einiger Zeit verließ ich den Strand wieder und lief in den Ort zurück. Wenns schon keine Sonne und kein Fahrrad gab, dann wollte ich wenigstens lecker Essen. So viel sollte doch drin sein. Ein Eisbecher wäre schön oder eine heiße Schokolade und ein Stück Kuchen. Ich begab mich also zunächst mal auf die Suche nach einer Eisdiele und fand... keine. Juist, wo versteckst du deine Eisdielen?! Ich fand einen Stand, an dem man Softeis kaufen konnte und dort gönnte ich mir dann auch eines, aber eigentlich suchte ich nach tollem Milcheis in bunten Bechern und Schirmchen darauf.

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Die Zeit verstrich erschreckend langsam. Die Fähre zurück ans Festland fuhr erst Abends und so kramte ich erstmal meinen eBook-Reader raus, während ich auf einer Bank saß und mein Softeis schleckte. Danach suchte ich ein Café, um mein Stück Kuchen zu essen und noch etwas weiter in meinem Buch zu schmökern. Das erste Café, das ich fand, hatte geschlossen. Okay, nicht aufgeben, weitersuchen. Ich landete dann letzendlich in einem Restaurant, das auch Kuchen anbot und eine Auswahl von genau zwei verschiedenen Sorten hatte. Immerhin bekam ich mein Stück Kuchen und auch was Warmes zu trinken.

Fast die gesamte restliche Zeit verbrachte ich dann dort in dem Restaurant. Es war warm, trocken und ich konnte lesen. Meine letzte Station war dann noch ein kleines Museum, bei dem der Eintritt frei war und einiges über das Watt und seine Bewohner erzählte. Es war auf Kinder ausgerichtet, aber ein bisschen gucken konnte ich trotzdem und das ein oder andere lernen auch.

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In der Fahrtkarte für die Fähre ist ein kurzer Aufenthalt im Juister Schwimmbad mitenthalten. Leider hatte ich keine Badesachen dabei, da in meiner ursprünglichen Tagesplanung keine Zeit für das Schwimmbad übrig gewesen wäre, ansonsten hätte ich das Angebot auf jeden Fall genutzt.

Mit dem Schiff ging es dann wieder zurück zum Festland. Auch hier fuhren aufgrund der vielen Tagesgäste wieder zwei Fähren, die erste legte jedoch eher ab als angekündigt, da sie bereits voll war. Zum Glück erwischte ich das erste Schiff aber noch, bekam aber leider keinen guten Sitzplatz mehr. Ich saß direkt neben dem Dröhnen eines Motors (?) und stopfte mir deshalb meine Kopfhörer in die Ohren und übertönte den Krach mit bester Rockmusik.

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Der ganze Tag war ein ziemlicher Flop. Ich bin mir sicher, dass es auch besser laufen kann und ich werde hoffentlich irgendwann zurückkommen, um mich davon selbst zu überzeugen.

3 Kommentare:

  1. Schade das so viel schief gelaufen ist aber ich hoffe du kannst trotzdem was positives damit verbinden! Immerhin hätte es immer schlimmer kommen können :) nichtsdestotrotz find ich die Fotos toll, war noch nie auf einer Nord- oder Ostsee Insel! Immer nur am Festland wenn dann aber auch nur im Osten :D bin ja abwr bald im Norden! Wie siehts eigentlich aus, wollen wir uns am Samstag auf der Reisemesse treffen? :)

    Liebe Grüße
    Jasmin von nimsajx.blogspot.de

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  2. dafür, dass der tag so blöd gelaufen ist, hast du dennoch superschöne fotos mitgebracht. die eindrücke sehen wirklich wundervoll aus!

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  3. es sind trotzdem wundervolle bilder geworden. da ich aus dem süden von Deutschland komme, hatte ich bis vor kurzem noch nie deutschen strand gesehen. peinlich eigentlich :D aber über weihnachten waren wir an der Ostsee und es war einfach traumhaft, trotz kurzen Regenschauern.
    liebe Antje ich wünsche dir einen guten rutsch ins jahr 2016.
    lg lena
    http://footprintstravelblog.blogspot.de

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...Antje, 26 Jahre alt aus Hannover.
Mit dem Rucksack auf dem Rücken und der Kamera in der Hand liebe ich es neue Orte und Gegenden zu entdecken.
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