Einmal Burgfräulein sein - Übernachten auf Burg Großfurra



Es hinterlässt ein ehrfürchtiges Gefühl in so alten Mauer zu stehen. Die Burg, in der ich dieses Wochenende schlafen darf, wurde schon im 11. Jahrhundert erbaut. Ich versuche im Kopf auszurechnen, wie viele Generationen in diesen Gemäuern wohl gelebt haben, aber ich, die schon beim Kniffel spielen einen Taschenrechner braucht, gebe recht schnell auf. Einigen wir uns auf unendlich viele. Unendliche viele Geschichten, die hier erlebt wurden.

Zwei Weltkriege hat die Burg fast unbeschadet überstanden, wurde als Kindergarten genutzt, hat aber auch Ritter beherbergt. Und nun stehe ich hier in meinem Jungfern-Zimmer (es heißt wirklich so) und fühle mich seltsam klein in Anbetracht der ganzen Geschichte um mich herum. Aber gleichzeitig fühle ich mich auch vom ersten Moment an pudelwohl in meinem Zimmerchen, das mit so viel Liebe eingerichtet wurde.





In den 90er Jahren, nachdem die Burg einige Zeit lang leer gestanden hatte, wurde sie von den Eheleuten Pohl gekauft und aufwendig saniert. Eigentlich waren sie auf der Suche nach einem Bauernhof, verraten sie mir, aber wie es der Zufall wollte, stießen sie auf die Burg und steckten all ihre Liebe und Energie in das alte Gemäuer. All diese Liebe und Energie spüre ich, als ich durch die Räumlichkeiten laufe. Während ein Teil der Burg von den Eheleuten selbst bewohnt wird, ist es seit 2005 möglich Zimmer oder Ferienwohnungen zu mieten und auf der Burg zu übernachten.

Die Burg ist an diesem Wochenende ausgebucht und so ist das anschließende Restaurant, die Junker Schänke, gut besucht, als ich sie abends betrete. Die meisten der Burggäste essen an diesem Abend hier und ich treffe sie auch in den nächsten Tagen wieder. Das Essen ist einfach so gut, dass ich mir gar nicht die Mühe mache, nach einem anderen Restaurant Ausschau zu halten. Hier gibt es Gerichte, die "Die Burgfrau" oder "Kleines Glück" heißen und man schmeckt, dass hier mit frischen Zutaten gearbeitet wird. Ich sitze auf alten Holzstühlen oder Bänken, am Fenster steht eine Ritterrüstung.
Am nächsten Morgen bekomme ich auch hier mein Frühstück, da so viele Gäste in der Burg schlafen. Sind nur wenige Räume gebucht, findet das Frühstück im Kaminzimmer (Foto weiter oben) statt, das ebenso gemütlich eingerichtet ist.




Das Publikum hier ist gemischt. Kinder toben durch den Innenhof, während die Eltern in der Schänke essen, Biker sitzen in einer Ecke und ich teile mir den Tisch mit einem Ehepaar aus Gütersloh.
"Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen" steht in der Schänke an der Wand geschrieben. Ein Satz, der so viel Wahrheit enthält und so wunderbar in diese Burg mit ihren Besitzern und ihren Gästen passt.

Als ich die Burg wieder verlasse, denke ich zurück an all die Geschichten, die diese Mauern schon erlebt haben und lächle bei dem Gedanken, dass auch ich nun ein winziger Teil dieser Geschichtensammlung bin.

Adresse:
Burg Großfurra
Schloßstraße 8
99706 Sondershausen

Öffnungszeiten Junker Schänke:

Dienstag - Samstag ab 18 Uhr



Die Übernachtungen erfolgten im Rahmen einer Einladung von Thüringen Tourismus.

6 Kommentare:

  1. Hallo Antje,
    toll und danke, dass du eben diese 'Begegnungen mit den Menschen' mit uns teilst! ;-) Schöner Beitrag zu einer ganz schön bewegten Historie. Beeindruckend finde ich immer wieder bei solchen Bauwerken, ganz wie du schreibst, dass sie zwei Weltkriege überstanden haben. Häufig war die gefechts-intensive Zeit im Mittelalter auch nicht ganz zu verachten. Von daher fast wundersam, dass so ein Bauwerk noch immer in so gutem Schuss dasteht und noch heute toll genutzt werden kann. Danke für den Bericht!
    Viele Grüße,
    Mario

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  2. Wow wie cool! Das hört sich wirklich super an und würd ich auch mal gern machen :) die Fotos sind wirklich toll und passen auch grad gut dazu, dass ich momentan die zweite Staffel von Reign schaue haha :D
    ich hab in Frankreich auch eine coole Burg und Avignon besucht und liebe einfach das Mittelalter-Flair!

    Liebe Grüße
    Jasmin von nimsajx.blogspot.de

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  3. Lustigerweise war ich selbst gerade erst zu Gast in einer "Burg". Während meinem Wochenende in Italien haben wir in einem kleinen Hotel gewohnt, dass sich von außen ganz dem Burgthema verschrieben hat... das lag dann auch noch schön an einem Hang und man hatte einen tollen Blick auf die Umgebung. ;)

    Sicher irgendwann. ;) Momentan fühle ich mich durch das lange Kranksein noch so gar nicht wirklich wohl in meinem Körper. Weiß auch noch nicht so ganz warum, aber da das schon besser geworden ist, wird das mit der Zeit schon noch. Momentan ist manches einfach noch seltsam und ich fühle mich auf Fotos eh nie sonderlich wohl. ;)

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  4. Oh man bin ich doof, ich wollte eigentlich deine Fragen noch beantworten habs aber total verpeilt! Sorry <3 also erstmal zu den vom ersten Post wegen dem wildcampen: keine Ahnung ob das erlaubt ist oder nicht, aber wenn man es richtig anstellt, passiert eigentlich nicht! Haben auch 2 mal Bauern gefragt, ob wir auf ihr Grundstück durfen und die waren super freundlich und haben es erlaubt :) an der Küste geht wildcampen leider nicht so gut, weil alles voller Campingplätze ist, aber wir haben auch eher im Inland gecampt, was aber auch sehr schön war. Wie du im letzten Post gesehen hast, waren wir mit einem VW T4 unterwegs, der gehört den Eltern meines Freundes und wurde noch mit einer Holzbank bzw Bett gepimpt, damit wir drin schlafen können :) mein Traum ist es außerdem mal noch mit einem t1 an der Cote d'azur zum zufahren, den kann man auf so einer Intenetseite mieten, wenn er nicht gerade ausgebucht ist...

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  5. Ich bin ausgestattet. ;) Angst um meine Kamera habe ich bei solchen Gelegenheiten auch, aber ich hatte einen Regenschirm und anschließend wanderte die Kamera nicht nur in die Tasche, sondern bekam noch eine Plastiktüte drum herum (ich traue nicht nur der angeblich wasserdichten Tasche). ;)

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...Antje, 26 Jahre alt aus Hannover.
Mit dem Rucksack auf dem Rücken und der Kamera in der Hand liebe ich es neue Orte und Gegenden zu entdecken.
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