Wie ich den Kitsch und Harry Potter im Naturpark Südharz fand

Der Wind rauscht leise durch die Baumwipfel, einige Sonnenstrahlen kämpfen sich durch das Blätterdach und tanzen über den Weg vor mir. Neben mir höre ich den Bach plätschern, nur unterbrochen vom weitentfernten Tuten einer alten Eisenbahn. Das Laub raschelt unter meinen Füßen, während ich dem Weg folge; neben mir raschelt es noch etwas lauter im Gebüsch. Kommt da etwa gleich ein Eichhörnchen zur mir auf den Weg gesprungen? - Ach herje, sind wir jetzt in einem Kitschroman gelandet? Nein, im Naturpark Südharz!



Recht spontan hat es mich in den Norden Thüringens verschlagen, dort wo noch die letzten Ausläufer des Harzes zu finden sind. Wandern steht auf dem Programm. Auch wenn ich auf meinen Reisen häufig 12-15km am Tag laufe, bin ich noch nie bewusst an ein Ziel gefahren um dort wandern zu gehen. Ich bin also eine Wanderanfängerin und deshalb soll es für den Anfang eine einfache Strecke sein. Sicher darf man auch mal aus der Puste kommen, aber die Strecke soll mich nicht gleich überfordern. Zudem schleppe ich noch einen fiesen Husten mit mir herum, der mir gerade bei Strecken bergauf noch ordentlich Probleme macht.


(auf diesem Foto sieht man die Lok leider nur von hinten; von vorn sieht sie noch deutlich Harry-Potter-mäßiger aus)

Ich starte daher mit der Dampflok-Tour, eine etwa 6km lange Wanderung, die mit dem Schwierigkeitsgrad 'leicht' eingeordnet ist. Easy-peasy mag der ein oder andere jetzt vielleicht denken, aber für mich ist es die perfekte Einsteigertour in mein Wanderwochenende. Die Wanderung beginnt an der Haltestelle Sophienhof der Harzer Schmalspurbahn. Bevor die Wanderung jedoch startet, erwartet einen schon das erste Highlight: eine Fahrt mit der historischen Eisenbahn, die mich sofort an den Hogwarts-Express aus den Harry Potter Filmen erinnert. Als kleiner riesiger Harry-Potter-Fan fühle ich mich sofort in den ersten Film zurückversetzt, als der Hogwarts-Express durch Englands grüne Landschaften gleitet und Harry in sein erstes Schuljahr in Hogwarts fährt.

Mit der Eisenbahn geht erst durch flaches Land und dann hinein in den Wald und immer bergauf. Jeweils vorne und hinten am Waggon gibt es einen Außenbereich, in dem man sich während der Fahrt aufhalten kann - perfekt zum Fotografieren oder um die Nase in den Fahrtwind zu halten. Nach einer knappen Stunde erreiche ich mein Ziel, die Haltestelle Sophienhof.
Das Ticket ist kostenfrei in der 3-in-365 ThüringenCard enthalten (beim Schaffner oder im Dampfladen am Bahnhof in Nordhausen-Nord in ein Ticket umtauschen lassen). Einen Plan für die Abfahrtszeiten gibt es ebenfalls im Dampfladen; die Fahrten mit der historischen Bahn sind im Fahrplan gekennzeichnet.
Sophienhof ist ein Bedarfhalt; ich muss daher vorher beim Personal Bescheid geben, dass ich dort aussteigen möchte. Tatsächlich bin ich an dem Tag die Einzige, die an der Haltestelle den Zug verlässt.



Von der Haltestelle aus geht es über eine kleine Anhöhe hinein in den Ort Sophienhof. Während der erste kurze Abschnitt noch von Bäumen gesäumt ist, finde ich mich schnell zwischen weiten Wiesen wieder. In Sophienhof liegt auch direkt mein erstes Ziel: die Ziegenalm. Die Alm ist in meiner Karte markiert und auch im Ort ist sie gut ausgeschildert. Es ist inzwischen Mittagszeit und bevor die richtige Wanderung startet, möchte ich nur eine kleine Stärkung auf der Alm einschieben. Schon auf dem Weg zum Hof begrüßen mich die ersten Ziegen, die neugierig ihre Köpfe über das Gatter strecken.



Auf der Alm esse ich überbackenen Ziegenkäse und selbstgemachtes Ziegenmilcheis (ich kann die Sorte Joghurt sehr empfehlen), dazu gibt es selbstgepressten Apfelsaft. Hier kommt alles vom eigenen Hof und das schmeckt man auch. Neben der Gastwirtschaft schließt sich ein Hofladen an und am liebsten hätte ich jede Menge Käse eingekauft, doch ich kann den Käse die nächsten Tage nicht kühl lagern und so wandert nur eine kleine Seife als Souvenir in meinen Rucksack.
Leider finden die Führungen über den Hof nur zweimal im Monat statt und ich habe keinen der beiden Tage erwischt. Dafür erfahre ich, dass es auf dem Hof auch Ferienwohnung gibt und die Gäste voll ins Landleben eintauchen können.



Gut gestärkt starte ich von der Ziegenalm aus auf meine Wanderung. Hier verlaufe ich mich zum ersten und zum Glück auch einzigen Mal an diesem Tag. Der Weg ist nicht gut ausgeschildert und nach einer falschen Abbiegung stehe ich plötzlich vor einem "Privatgelände - Betreten verboten"-Schild. Vermutlich bin ich nicht die Erste, die hier den falschen Weg eingeschlagen hat. Zum Glück muss ich nur wenige Meter zurückgehen, bis ich den richtigen Weg finde. Dieser führt um den See herum und ist eher als plattgetretenes Gras zu bezeichnen. Ich checke kurz mit meiner Karte auf dem Handy, ob ich nun auf dem rechten Weg bin und tauche dann in den Wald ein.



Und hier ist er nun, mein Kitschroman. Der schmale Pfad schlängelt sich durch die Bäume, während die Sonne witzige Muster auf den Waldboden malt. Der Untergrund ist im Gegensatz zum Asphalt wunderbar weich und ich komme trotz meiner simplen Ausrüstung (Laufschuhe) gut voran. Irgendwo weit unter mir muss ein Bach fließen, denn ich höre ihn immer wieder plätschern, während ich dem Pfad immer leicht bergab folge.
Abgesehen von den Geräuschen der Natur ist es wunderbar ruhig im Wald und ich begegne auf meiner ganzen Strecke nur eine Gruppe anderer Menschen. Ansonsten bin ich vollkommen allein in dem Grün und genieße die Zeit. Da ich allein wandere, kann ich mir Zeit lassen und den Wald etwas genauer unter die Lupe nehmen. Während für mich anfangs vieles noch gleich oder ähnlich aussieht, bemerke ich schon nach kurzer Zeit Veränderungen um mich herum. Auch wenn ich die unterschiedlichen Bäume nicht mit Namen kenne, merke ich, dass sich die Sorten abwechseln.




Zwischendurch nehme ich den Pfad selbst und seine direkte Umgebung etwas näher in Augenschein. Unterschiedliche Pflanzen und Blumen wachsen am Rand und wiegen sich im Wind, so dass ein scharfes Foto gar nicht so einfach zu schießen ist. Während ich eine Nahaufnahme vom Klee machen möchte, raschelt es plötzlich dicht neben mir im Laub und Herr Käfer springt mir vor die Linse. Er posiert einen kurzen Moment, dann ist ihm der Rummel zuviel und er flüchtet zurück ins Laub. Dafür entdecke ich Ameisen, die flink über die Blätter krabbeln. Zu klein und zu flink für meine Kamera und nach einigen Versuchen gebe ich es auf sie ordentlich ablichten zu wollen.



Zufällig eine Ameise mit erwischt - Suchspiel: wer findet sie?

Nachdem ich mir den Dreck von den Knien geklopft habe (daran entdeckt man immer sofort, dass ich auf dem Boden fotografiert habe), geht es weiter den Pfad entlang. Das Rauschen des Bachs kommt langsam näher, bis mein Weg mit dem Bach zusammenstößt und wir fortan gemeinsam weitergehen. Zwischendurch muss ich kleine Ausläufe überqueren, aber rübergelegte Hölzer erleichtern mir den Überstieg.
Der Weg lässt sich durch sein leichtes Bergabgefälle wunderbar leicht gehen und ich halte immer wieder an, um neue Biegungen zu fotografieren. Immer wieder fliegen auch Schmetterlinge um mich herum (woah, Kitsch! Aber die reine Wahrheit!), aber ich erwische sie kaum mit der Kamera. Dafür sehe ich sie in anderen Farben als ich es von Zuhause kenne und nehme mir vor, diese später im Internet nachzuschauen.





Der Streckenverlauf führt mich weiter, bis ich die Bundesstraße 81 erreiche und sie überquere. Hier verlasse ich meinen Kitschroman, denn die Autos reißen mich heraus aus meiner kleinen Idylle und zurück in die Wirklichkeit. Von hieran geht es weiter an den Bahnschienen entlang, der Bach hat sich inzwischen zu einem richtig breiten Flüsschen entwickelt. Ich höre ihn zwar noch plätschern, aber mein Weg führt nun zwischen Waldrand und den Schienen hindurch. Zum Glück ist dieser Abschnitt der Kürzeste der Strecke, denn im Vergleich hat es mir im Wald deutlich besser gefallen.

Schnell erreiche ich ab diesem Punkt mein Endziel: Die Haltestelle Netzkater der Harzer Schmalspurbahn. Ich mache auf dem letzten Stück aber auch etwas Tempo. Die Wanderung ist für ca. 2 Stunden ausgelegt und durch die vielen kleinen Stops zum Fotografieren habe ich etwas Zeit verloren. Außerdem scheint mir die Sonne ordentlich auf den Kopf und es gibt hier weniger Schatten als im Wald; tatsächlich hole ich mir den ersten Sonnenbrand des Jahres. Am Bahnhof Netzkater angekommen gönne ich mir erstmal ein Eis gegen die Hitze (im Wald war es so angenehm schattig, da hatte man die Wärme gar nicht so stark wahrgenommen) bei einem der zwei ansässigen Gaststätten.



Mir bleibt noch etwas Zeit bis die historische Eisenbahn mich von Netzkatzer wieder nach Nordhausen bringt. An der Haltestelle fahren noch andere, modernere Züge, aber ich möchte wieder das tolle Harry-Potter-Feeling der Hinfahrt erleben und entscheide mich daher gegen eine baldige Heimreise.
Am Bahnhof Netzkater ist auch das Steinkohlenbesucherbergwerk "Rabensteiner Stollen". Ich frage nach und erfahre, dass der Besuch in der HarzCard, aber leider nicht in der ThüringenCard enthalten ist. Außerdem weist mich die nette Dame an der Info daraufhin, dass unten im Stollen etwa 8°C herrschen - huch, darauf bin ich nicht vorbereitet. Wegen der sommerlichen Temperaturen habe ich nur leichte Kleidung dabei. Auch müsste ich noch fast eine Stunde auf die nächste Fahrt in den Stollen warten, da ich die letzte soeben verpasst habe. Die Führungen starten zur vollen Stunde, die letzte beginnt um 16Uhr.
Deshalb entscheide ich mich gegen das Bergwerk (obwohl es bestimmt total spannend ist) und wage stattdessen noch den Aufstieg zum Drei-Täler-Blick, eine etwa 1km lange, rechte steile Wanderung (etwa 120 Höhenmeter) hinauf zu einem Aussichtspunkt. Die Wanderung beginnt direkt hinter einem der Gebäude an der Haltestelle und eignet sich wunderbar um die restliche Zeit zu überbrücken. Von dieser Wanderung gibt es anderer Stelle dann nochmal einen Bericht, denn die Fotos von dem Ausblick würden diesen Beitrag sprengen.

Etwa zwei Stunden nach dem Ende meiner Einsteiger-Wanderung geht es dann mit dem Schmalspurbahn durch wunderbar gelbe Rapsfelder wieder zurück nach Nordhausen. Der Zug ist angenehm leer und ich erwische wieder einen Platz am Ende eines Waggons, um noch ein paar Fotos zu machen.



Wenn du diese Tour ebenfalls wandern möchtest, hole dir den zugehörigen Flyer (Dampflok-Tour) bei der Touristinformation. Dort enthalten ist eine kurze Streckenbeschreibung und eine kleine Wanderkarte. Alternativ gibt es auch hier noch einige Infos.

Die Tour wanderte ich im Rahmen einer Einladung von Thüringen Tourismus.

6 Kommentare:

  1. Die Dampflok lässt einen wirklich gleich ein bisschen an Harry Potter denken! :)
    Und das letzte Foto ist auch sehr, sehr schön. Hier blüht momentan auch überall viel Raps und das intensive Gelb finde ich wirklich toll. :)

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  2. Ja, die Polaroids sind alle mit meiner Instax Neo Classic entstanden. Die Instax Mini haben aber auch einen automatischen Partymodus und sind somit gut für Hochzeiten geeignet. Da muss man einfach nichts weiter einstellen und bekommt schöne Ergebnisse. Die Neo Classic habe ich mir vor allem deswegen gekauft, weil sie noch ein paar Modi mehr hat, aber je nach Verwendungszweck verwirrt das ja nur.
    Ich habe zwar auch alte Polaroidkameras, aber gerade was den Preis der Filme und die einfache Handhabung angeht, sind für eine Hochzeit echt nur die neueren von Fujifilm zu gebrauchen.
    Die Filme von impossible project sind zu instabil und anspruchsvoll für so etwas.

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  3. Das schaut nach einem ganz tollen Ausflug aus! Macht richtig Lust auch loszugehen, der Harz ist bei mir auch nicht so weit.
    Schade, dass der Tipp mit den SD Karten bei dir leider nicht klappt.
    Wünsche dir ein schönes Wochenende!

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  4. wow das sieht wirlich super schön aus! Bin ja auch Wander Anfängerin und finde es von daher toll, von diesem Weg erfahren zu haben :) bin gespannt auf die andren Fotos! Bin btw wieder zurück von meinem Roadtrip und morgen Abend wird es wahrscheinlich schon den ersten Beitrag dazu geben :) jetzt les ich erstmal alle Beiträge meiner Lieblingsblogs die ich verpasst hab :D

    Liebe Grüße & schönes Wochenende <3
    Jasmin von nimsajx.blogspot.de

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  5. Oh wie schön, ich geh bald in meinem Urlaub ja auch viel wandern und bin mal gespannt wie schnell ich da so aus der Puste komme :D
    Ziegelmilcheis? Wie geil ist das denn??? Schmeckt es arg anders als normales Milcheis? Ich liebe Ziegenkäse, hoffe ich kann das Eis auch irgendwann mal probieren.
    Liebe Grüße und einen guten Start in die Woche.
    Lg Lena www.footprintstravelblog.blogspot.de

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  6. Hallo Antje, der Beitrag ist toll! Ich freue mich als ehemaliger Naturpark Südharz Mitarbeiter, dass dir meine Heimat gefällt. Die Ausschilderung der Route habe ich auch gemacht, allerdings "verschwinden" immer mal wieder Schilder, was mich sehr ärgert. Ich hoffe dich verschlägt es mal wieder in den Südharz. Wenn du Inspirationen brauchst kannst du auch mal auf meiner Seite unter: www.hammaphotos.com/travel-blog/

    Viel Spaß und weiterhin tolle Beiträge!

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...Antje, 26 Jahre alt aus Hannover.
Mit dem Rucksack auf dem Rücken und der Kamera in der Hand liebe ich es neue Orte und Gegenden zu entdecken.
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