Ein Tag in: Strasbourg



Würde man mich fragen: "Welche Stadt in Frankreich möchtest du gern ansehen?" wäre "Paris!" die klare und sofortige Antwort darauf. Würde man mich fragen: "Und wenn Paris gerade nicht geht, welche Stadt dann?" wäre "Strasbourg!" die ebenso klare und sofortige Antwort.
Paris muss noch etwas warten, aber am vorletzten Wochenende durfte ich einen Tag durch die Straßen von Strasbourg schlendern. Strasbourg versprüht für mich einen ganz eigenen Flair. Auf der einen Seite die vielen hübschen, schiefen und individuellen Fachwerkhäuschen, auf der anderen Seite die modernen Gebäude, in denen sich Europaparlament und Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte finden.
Dominiert werden beide Seiten der Stadt vom riesigen Strasbourger Münster, den man fast von überall sieht und der deshalb einen guten Orientierungspunkt darstellt.

Der Strasbourger Münster sollte dann auch als allererstes erklommen werden, da ich befürchtete, dass sich im Laufe des Tages noch eine ordentliche Schlange vor dem Aufstieg bilden würde. Da ich auch schon auf den Münster in Ulm gestiegen bin, befürchtete ich im Vorfeld Schlimmes: enge, sich immer im Kreis windende Treppen bis einem richtig duselig im Kopf wird. Die Treppen im Strasbourger Münster stellten sich jedoch als erstaunlich breit heraus, das war für eine Kirche doch recht überraschend. Im Kreis ging es natürlich trotzdem nach oben, aber es fiel mir doch deutlich leichter als damals in Ulm. Wie auch schon im Ulm gab es eine Treppe zum Hinaufsteigen und eine Treppe für den Abstieg.
Nach 330 Stufen war die Plattform erreicht und Strasbourg lag zu meinen Füßen. Der Himmel war noch etwas wolkenverhangen, aber trotzdem bot sich von der Plattform ein toller Blick über die Stadt.
Wie in einem Märchenbuch drängten sich die kleinen Fachwerkhäuser mit ihren gemusterten Dächern rund um die Kirche und auf den zweiten Blick gab es so viele Details zu entdecken. Kleine Dachterrassen, Fensterläden mit Herzen darin, hach.

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Nach dem Blick über die Stadt wollte ich dann einen Blick in die Kirche hineinwerfen. Vor allem die astronomische Uhr in der Kirche wollte ich mir ansehen (für die man neben der Plattform noch mal extra Eintritt zahlen müsste), aber während der Zeit auf der Plattform hatte sich vor dem Eingang zur Kirche schon eine lange Schlange Schaulustiger gebildet. Zu lang, wurde schnell beschlossen und der Münster erstmal links liegen gelassen.
Stattdessen ging es weiter in das Viertel La Petite France, in dem sich besonders hübsche Fachwerkbauten bewundern lassen. Für mich waren diese Straßen das Highlight in Strasbourg. Sich einfach durch die Gassen treiben lassen, die hübschen Häuser bewundern und Strasbourg in sich aufsaugen. Zwischenzeitlich klebte meine Kamera quasi an meinem Auge, weil das Fachwerkhaus an der nächsten Ecke einfach noch schöner war, als das zuletzt gesehene und ich mich gar nicht satt sehen (und fotografieren) konnte an all den hübschen Blumen und Verzierungen an den Fachwerkhäusern. Ein kleiner Wermutstropfen blieb, denn das Viertel ist sehr touristisch und war, vermutlich auch dem Wochenende und den Ferien in Baden-Würtemberg geschuldet, etwas überlaufen.

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(Klick macht groß)

Die Rettung nahte im Le Troquet des Kneckes. Ein super hipper Laden mit knallroten Wänden, einem riesigen Kicker und Flammkuchen zu einem fairen Preis. Gerade in den 'touristischen' Ecken Strasbourgs, kann Essen & Trinken schnell sehr teuer werden und deshalb fiel die Entscheidung auf diesen Laden, nicht ganz im Mittelpunkt von La Petite France, aber dafür mit vielen französischen Gästen. Im Netz habe ich gelesen, dass viele das Personal dort recht unhöflich fanden - das kann ich überhaupt nicht bestätigen. Nachdem ich mein "Bonjour" in den Raum geworfen hatte, wurde ich direkt auf französisch angesprochen, woraufhin ich der Kellnerin einen hilflosen Blick und ein "Sorry?!" entgegen warf (dafür reichten meine Brocken Französisch dann doch nicht, ich hatte überhaupt nichts verstanden) und die Kellnerin wechselte daraufhin sofort ins Englische/Deutsche. Die Bestellung und das Bezahlen klappte dann wiederum auf Französisch und ich fand das Personal dort wirklich nett und zuvorkommend.



Nach der Stärkung ging es dann über einen Platz und durch einen Park bis hinein ins Europaviertel, wo sich moderne Architektur und diverse europäische Institutionen bestaunen lassen. Aufgrund des Wochenendes war alles geschlossen und so genügte ein Blick von außen. Ich bin mir allerdings auch nicht sicher, ob es an den Werktagen möglich ist, die Gebäude zu betreten oder ob z.B. Führungen angeboten werden.
Das Europaviertel liegt schon etwas abseits vom Altstadtkern Strasbourgs, aber ist immer noch zu Fuß zu erreichen. Ich fand es zudem auch ganz interessant, durch die Wohnviertel zu schlendern, mal nach links und rechts zu schauen und die Ruhe zu genießen.

Nach dem etwas größeren Schlenker durch das Europaviertel, warf ich noch einmal einen Blick auf den Strasbourger Münster. Leider war die Schlange vor dem Eingang zur Kirche immer noch recht lang, so dass es von dort direkt zurück zum Parkhaus ging. Der Weg zum Parkhaus zog sich dann sogar noch etwas, weil die Straßen in der Altstadt zwischenzeitlich randvoll mit Menschen waren.



Meine Tipps für Strasbourg:
1. Entdeckt die touristischen Highlights der Stadt, wie etwa den Münster und La Petite France, in den Morgenstunden. Gegen Nachmittag hin füllte sich die Stadt immer mehr und die Freude am Entdecken und Umherschauen ging dann schnell verloren. Morgens hingegen war alles (bis auf die Schlange vor dem Münster) noch im erträglichen Rahmen und man konnte die Zeit dort sehr genießen.

2. Die Sache mit der Sprache: Strasbourg liegt natürlich sehr nah an der deutschen Grenze und die meisten Franzosen dort werden zumindest brockenhaftes Deutsch sprechen können. Jedoch sind die Franzosen sehr viel wohlgesinnter und kramen ihre Deutschkenntnisse bereitwilliger heraus, wenn man es auch selbst mit ein wenig Französisch versucht. Zumindest Grußformeln wie Bonjour und Au Revoir, sowie Merci sollten drin sein und dann wird man schnell merken, wie freundlich und gerne die Franzosen einem auch in anderer Sprache weiterhelfen werden.

3. Parken ist in Strasbourg teuer, daher sollte man sich am bestern vorher informieren. Das Parken in den Straßen ist in der Regel teurer als im Parkhaus oder aufgrund von Anwohnerparken gar nicht möglich. Strasbourg ist in Ringe aufgeteilt, die die Preise für das Parken bestimmen - umso zentraler, umso teurer. Wir wählten ein Parkhaus etwas außerhalb der Altstadt, aber immer noch so nah, dass wir zu Fuß schnell im Zentrum waren. Zudem konnten wir das Parkhaus sowohl bei der Anfahrt als auch bei der Abfahrt schnell erreichen bzw. verlassen und brauchten uns nicht großartig durch den Stadtverkehr quälen.
Unser Parkhaus: Parkhaus Austerlitz, Cour des Bœufs, 67000 Strasbourg

4. Wählt für euren Besuch bequemen Schuhe, denn die Stadt kann man meiner Meinung nach am besten zu Fuß erkunden. Grundsätzlich kann man auch alles zu Fuß ablaufen, jedoch legt man dann schon den ein oder anderen Kilometer zurück. Auf meinem Schrittzähler waren am Ende des Tages fast 19.000 Schritte (ca. 16km) vermerkt. Alternativ könnt ihr auch eine Bootstour buchen und die Stadt vom Wasser aus entdecken; die Bootstouren wurden mir auch sehr empfohlen, aber wir gingen dann doch lieber zu Fuß (Kostenpunkt: 12,50€ für 70min, Anlegestelle: Palais Rohan).


Habt ihr Strasbourg schon einmal besucht und habt noch weitere Tipps?

3 Kommentare:

  1. Ich war bisher zweimal in Strasbourg, allerdings war es schon länger her, die Stadt ist mir aber durchweg positiv in Erinnerung geblieben!
    All die hübschen Häuser und ich finde auch, dass Strasbourg wie du sagst, einen ganz eigenen Flair hat. Man fährt auch echt nicht so lang (wie zB nach Paris) und trotzdem fühlt sich plötzlich alles französisch an. Schöne Eindrücke:)
    Liebe Grüße,
    https://soulstories-amandalea.blogspot.de/

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  2. Was Frankreich angeht, war ich bisher leider nur in Paris.
    Strasbourg scheint aber wirklich eine wunderbare Stadt zu sein! Das habe ich jetzt schon oft gehört und gelesen. Und irgendwann muss ich da auch mal hin!

    Geht mir tatsächlich ähnlich; ich bin auch eher Fan von Landschaft und Natur. Aber wenn eine Stadt toll ist, dann San Francisco. Und die finde ich wirklich wunderschön! ;)
    Tatsächlich reizen mich aber was Reisen angeht mittlerweile Städtetrips nicht mehr soooo sehr und ich ziehe immer die Natur vor. ;)

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  3. Schön das dir Straßburg gefallen hat :) war bisher zwei mal dort obwohl es nur eine Stunde entfernt ist von mir. Bin aber immer planlos durch die Stadt gelaufen, immer am Fluss entlang und habe einfach nur genossen. Das Europaviertel hab ich nie besucht aber das in Brüssel hat mir damals ehrlich gesagt auch gereicht. Da konnte man auch rein und so ein cooles Spiel spielen :D

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...Antje, 26 Jahre alt aus Hannover.
Mit dem Rucksack auf dem Rücken und der Kamera in der Hand liebe ich es neue Orte und Gegenden zu entdecken.
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